#5 Tod zweier Kinder
Shownotes
GNZ-Gerichtsreporterin Nicole Schmitt erinnert sich an einen ihrer schwersten Fälle: 2022 springt ein elfjähriger Junge in Hanau aus dem neunten Stock eines Hochhauses in den Tod. In der Wohnung seiner Mutter findet die Polizei kurze Zeit später die siebenjährige Schwester, ermordet vom eigenen Vater.
Sprecher von Intro und Outro ist Matthias Hesse.
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00:00:00: September im Jahr two-tausenddreizehn.
00:00:03: Eine junge Frau verpasst am Westbahnhof in Hanau ihren Bus.
00:00:07: Die fünfundzwanzigjährige läuft die Phillipsruhe allee entlang, begegnet einem Fremden der eine Handelsstange in der Hand hält.
00:00:16: Der Mann ist dir unheimlich.
00:00:18: Sie geht mit gesenktem Blick an ihm vorbei dreht sich noch einmal um.
00:00:23: Als er weitergeht fühlt sie sich sicher zündet sich eine Zigarette an.
00:00:28: Kurz darauf Schlägt ihr der Fremde mit der Handelstange auf den Kopf, bringt sie fast um.
00:00:34: Erst acht Jahre später wird er gefasst – dank einer DNA-Spur.
00:00:50: Der Überfall mit der Hantelstangel gibt Polizei und Staatsanwaltschaft lange Rätsel auf.
00:00:56: Markus Jung ist der Staatsanwalt, der sich letztendlich bei der Verhandlung im Jahr two-tausend-einundzwanzig damit auseinandersetzt.
00:01:05: Also ich setzte dann erst in den Jahr zweitundfünfzehnt zur Staatsanwaltschaft gekommen.
00:01:09: Ich bin damals gleich eingeteilt worden in die Abteilung, die auch Kapitaldelikte bearbeitet und da hat man natürlich damals diesen Fall mitbekommen.
00:01:17: das war spektakulär.
00:01:18: es war ein ungeklärter Fall hatte noch keinen Täter ermittelt und dann hat man in vielen Gesprächsrunden und in vielen Runden, die auch mit der Polizei geführt wurden einfach mitbekommen, dass ich diese Tarte ereignet hatte.
00:01:27: Und so habe ich relativ früh schon die entsprechenden Informationen über das Tatgeschehen gehabt.
00:01:32: Ansonsten war es so, dass sich in der Tat dann im Jahr twenty-einen zwanzig als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft eingeteilt wurde.
00:01:37: und ob dann für die Staatsanwaltschaft die Amtlage verlesen, die Hauptverhandlung begleitet und später auch
00:01:41: plädiert.".
00:01:42: Noch einmal zurück zur Tat!
00:01:48: beobachten
00:01:48: zwei fünfzehnjährige, die von einem Konzert im Hanauer Amphitheater kommen
00:01:54: in
00:01:54: der Philippsruher Allee einen Mann, der eine bewusstlose Frau trägt.
00:01:59: Als sie zu ihm laufen legt er die Frau an einer Hauswand ab und flüchtet.
00:02:05: Die damals Fünfzehnjährigen beschreiben später der Polizei das die Frau aussieht als hätte sie in Blut geduscht!
00:02:14: Die beiden mutigen Jugendlichen rufen den Notarzt und versuchen, den Mann zu verfolgen.
00:02:21: Umsonst – er verschwindet!
00:02:24: Und das für acht
00:02:25: Jahre.".
00:02:26: Damals waren diese beiden Zeugen sehr füchig.
00:02:28: Sie sind dieser Person dann nachgelaufen.
00:02:32: Die hat die Person, die sie in den Händen getragen hat, denn in einer Seitenstraße abgelegt und eine Wand gelehnt.
00:02:37: Unsere beiden Zeuge haben sich dann aufgeteilt.
00:02:40: Einer der Zeugen ist zu dem Opfer hingegangen, hat sich um das Opfer gekümmert.
00:02:45: Der andere Zeuge ist an dem Täter nachgelaufen, da nämlich die Flucht ergriffen hat ihn verfolgt.
00:02:49: Und es ist letztendlich dem Handeln dieser beiden Zeugen zu verdanken dass das Opfer sehr schnell versorgt werden konnte, dass der Krankenwagen eben dann vor Ort war.
00:02:58: Der andere Zäuge hat letztendlichen den Täter nicht stellen können, der ist weiter geflüchtet und muss auch bei aller Vorlicht ein Stück weit warnen und sagen, dass auch Zeugen immer erst mal sich um die Eigensicherung kümmern sollten und dann nicht bediemungslos einen Täter der offensichtlich ergewalttätig ist verfolgen sollen.
00:03:16: Aber trotzdem war das schon heldenhaft, also sowohl das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft hatten in dem späteren Prozess dann auch das Verhalten der Zeugen gelobt, denn niemand weiß letztendlich wie das ganze Geschehen geändert hätte wenn die beiden nicht eingekriffen hätten was der Täter gemacht hätte was den Opfer weiter zugestoßen wäre.
00:03:33: Also dass wir wirklich Helden
00:03:34: haben.".
00:03:36: Die twenty-fünfjährige Frau erleidet lebensgefährliche Verletzung muss notoperiert werden.
00:03:42: Erst am nächsten Tag erwacht sie im Krankenhaus, ohne Erinnerung an jeden verhängnisvollen Abend.
00:03:50: Bis heute kann sie sich nicht an die Tat erinnern – alles was sie später aussagen kann ist Folgendes!
00:03:57: Die Rechtsreferin darin am Hanauer Landgericht hat übers Wochenende ihrer Eltern besucht und kommt am Abend des fünfzehnten September zwei Tausend Dreizehn wieder am Hanower Westbahnhof an.
00:04:09: Bis zu ihrem Wohnort in Kesselstadt sind es zwei Busstationen.
00:04:14: Der Bus fährt ihr aber vor der Nase weg, deswegen geht sie zu Fuß die Philipsruhe alle entlang in Richtung Schloss.
00:04:22: Etwa auf Höhe des Ulof-Palmerhauses kommt ihr ein Mann entgegen, der eine Handel in seiner rechten Hand trägt!
00:04:30: Das sei ja unheimlich gewesen – Sie habe ihn nicht angesehen und dann über ihre rechte Schulter geschaut um sich zu vergewissern dass er
00:04:38: weiterläuft.".
00:04:39: Weil er genau das tut, fühlt sich die Frau sicher.
00:04:42: Läuft noch einige Meter weiter und bleibt an der Bushaltestelle zwischen Mittelstraße und Ankergasse stehen um eine Zigarette zu rauchen.
00:04:52: Ab diesem Punkt fehlt ihr jede Erinnerung.
00:04:55: Das Opfer hatte durchaus schon Erinnerungen.
00:04:58: Es konnte sich zum Beispiel erinnern dass es selbst diese Phillipsruhe Allee entlang gelaufen ist.
00:05:03: Es könnte sich erinneren dass unheimliche Personen hier entgegen gekommen sind konnte sich auch erinnern, dass sie irgendeine Bedrohungssituation wahrgenommen hat.
00:05:11: Sie hatte eine Zigarette geraucht – alles das wusste sie noch!
00:05:14: Was sie nicht mehr konkret wusste war dann der Umstand, dass es eben zu diesen Schlägen mit der Handelstange auf den Kopf gekommen ist und….
00:05:20: Das ist eigentlich eine Konstellation die bei uns nicht selten ist, das kommt relativ häufig vor und dann brauchen wir eben weitere Beweismittel, die diese Nücken in dem Puzzlestück zusammensetzen können.
00:05:31: Das sind dann beispielsweise Diese Aussagen der beiden Zeugen, über die wir gerade gesprochen haben.
00:05:35: Die beiden fünfzehnjährigen Zeugen können uns weitere Anhaltspunkte liefern.
00:05:40: Das ist aber auch zum Beispiel das Verletzungsbild.
00:05:42: Die Rechtsmedizin hat sich die Verletzung angeguckt.
00:05:44: Wir haben die Handelsstange untersucht und konnten rekonstruieren wie viele Schläge es auf den Kopf gab.
00:05:48: Alle diese fehlenden Erinnerungspuzzle teilen – alle dienen werden dann eben durch weitere Beweismittel
00:05:53: ersetzt.".
00:05:54: Sieben eineinhalb Jahre lang suchen Polizei- und Landeskriminalamt nach dem Täter.
00:06:02: bleiben ergebnislos.
00:06:04: Auch ein Bericht in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst bleibt ohne Erfolg.
00:06:11: Anfang des Jahres, zwei tausendundzwanzig
00:06:14: gibt
00:06:14: es jedoch einen Treffer.
00:06:32: Auch Aktenzeichen XY vom ZDF hat entsprechend berichtet gehabt, also es waren sehr unvollenreiche Ermittlungsarbeiten.
00:06:39: Und in diesem zugehat man eben auch die Tatwaffe untersucht diese Handelstange und hat an der Handelschlange entsprechend DNA-Spuren feststellen können.
00:06:47: Das Problem ist nur dass diese DNA Spur einen natürlich dann nicht weiter bringt wenn man nicht passend auch ein Spuren verursachert einer Datenbank abgespeichert hat.
00:06:55: Also wir hatten nur die Spur am Handel, wir hatten aber noch nicht die Person zu der die Spure tatsächlich gepasst hat.
00:07:01: Dann wurden in der Folge DNA-Reihenuntersuchungen veranlasst und es mussten ganz viele männliche Personen damals aus dem Bereich Hanau-Kessel statt DNA abgeben, die wurden dann mit dieser Spur verglichen.
00:07:11: Das verlief aber alles negativ.
00:07:13: also die Person, die die Spur geursacht hat war erst mal nicht dabei Und dann kam's später das war im Januar zwutausendundzwanzig zum großen Durchbruch, dann hat nämlich das Hessische Landeskriminalamt einen sogenannten Spurpersonentreffer gemeldet.
00:07:27: Das bedeutet, dass die Spur, die damals eben eingestellt wurde von der Handelstange in die Analyse-Datenbank, das dir jetzt einer Person zugeordnet werden konnte.
00:07:35: Und anders dafür, dass wir jetzt diesen Treffer dann hatten war, dass unser Tatverdächtiger eben eine weitere Straftat begangen hat.
00:07:42: Der war noch einmal verdächtig.
00:07:43: erneuer euberische Erpressung im August zwanzig in Hanau begangen zu haben und da hat die Polizei damals DNA von ihm abgenommen, hat das entsprechend eingestellt und so konnte die Spure später zur Person zugeordnet werden.
00:07:55: Der Täter ist ein, zum Tatzeitpunkt, twenty-fünfjähriger gebürtiger Hanauer.
00:08:01: Der bei seiner Verhaftung mittlerweile zweiunddreißig Jahre alt freiwillig in einer Therapieeinrichtung beim München untergebracht ist.
00:08:11: Ich glaube dieser Fall macht mehr als deutlich dass die DNA Analyse eine ganz herausragende Rolle bei der Mittelarbeit gilt.
00:08:19: Gerade dieses Thema Cold Case das hört man noch immer mal wieder Die werden häufig im Nachhinein noch aufgeklärt, weil eben DNA-Spuren später zu Treffern führen.
00:08:28: Und das kann eben viele Jahre nach der eigentlichen Tatbegehung noch passieren.
00:08:33: Man muss gleichzeitig bei diesen DNA-Anergysen auch sehr sorgsam sein – auch als Ermittler.
00:08:38: Häufig ist es ein erster Entwicklungsansatz, dass es noch kein Tatnachweis war.
00:08:41: Man hat einen DNA-Treffer und eine weitere Ermittlungsansatz.
00:08:44: Man kann dann durch Suchungen beispielsweise anstreben Man kann andere Ermittlungsschritte gehen und erst denn die alle gegangen sind, dann kann man sagen jetzt ist es ein Tatnachweis geführt.
00:08:53: Also wie gesagt der DNA-Treffer alleine ist kein Tatnahweis, das ist ein erster Ermittlungsansatz und da spielt ja in den modernen Ermittlungen eine ganz entscheidende Rolle nicht nur bei Kapitaldelikten, Tötungsdelikte auch beim Vermögensdeliktem wenn man an Aufbrüche von Autos beispielsweise denkt oder an andere Wohnungseinbruchstil oder ähnliche Taten überall dar werden DNA Spuren gesucht und möglicherweise auch Täter festgestellt?
00:09:17: Na ja, je länger die Zeit vergeht, desto schwieriger wird es natürlich.
00:09:21: Das so mehr schwindet die Hoffnung.
00:09:22: aber die Hoffnungen ist immer da.
00:09:24: Aber zu weit hier in dem Fall gehört natürlich wir haben's den Umstand zu verdanken dass der Täter eben eine weitere Straftat begangen hat.
00:09:30: das ist ein stückweit Glück für die Ermittlungsbehörden gewesen.
00:09:33: dieser Umstand hat dazu geführt dass wir ihn später überführen konnten.
00:09:36: also das war ein glücklicher Umstand.
00:09:40: Angeklagt wird er wegen versuchten Mordes.
00:09:44: bei Prozessbeginn im November Gesteht er die Tat?
00:09:49: Sagt allerdings auch, er könne sich nicht erinnern warum er das Opfer angegriffen habe.
00:09:55: Er habe sich vor der Tat mehrfach wegen psychischer Probleme sowie Drogenmissbrauchs in Kliniken
00:10:01: befunden.".
00:10:08: Da will man schon wissen, ist die Tat jetzt aus Mordlust begangen worden?
00:10:20: Aus Habgier niedrigen Beweggründen.
00:10:22: Was war Hintergrund für das Handeln des Täters?
00:10:25: Dass sich ein Angeklagter dann im Prozess schweigend verteidigt oder dass er sich an entscheidende Stellen nicht mehr erinnern kann oder erinnern will – das ist keine Seltenheit!
00:10:36: Das erleben wir sehr ruhig.
00:10:38: Es kommt durchaus vor, dass die Motivfrage im Rahmen eines Prozesses komplett unbeantwortet bleibt.
00:10:43: Das gibt es auch nicht selten.
00:10:44: oder aber, dass wir aus den weiteren Umständen der Tatbegehung, aus dem Vortatverhalten und aus dem Nacht-Hartverhalten entsprechende Rückschlüsse ziehen können, die uns dann zur Motivfrage bringen.
00:10:54: Hier im konkreten Fall wussten wir zum Beispiel das der Angeklagte an dem Tag sich in einem Zustand der extremen Anspannung befunden hat.
00:11:01: Er war irgendwie mit seiner Lebenssituation unzufrieden, er hat möglicherweise dann die Geschädigke gesehen, die irgendwas in ihm getriggert hat was dann ihnen zu dieser Gewaldexplosion geführt.
00:11:10: Für das Opfer, das als Nädenklägerin auftritt ist die Situation belastend.
00:11:16: Die Frau musste nach der Tat monatelang ärztlich behandelt werden, ist aus Hanauer weggezogen und hat auch nach acht Jahren psychische Probleme wegen des Überfalls.
00:11:28: Zumindest Antworten hatte sie sich aus dem Prozess erhofft.
00:11:33: Diese bleibt der Angeklagte jedoch schuldig.
00:11:41: Der Hanauer berichtet von einer schwierigen Kindheit – von einem Autounfall im Dezember, bei dem er einen parziellen Genickbruch erleidet und ab dem es richtig bergab geht.
00:11:55: Er findet danach keinen Job mehr – hat unkontrollierbare Wutausbrüche!
00:12:00: Bei ihm wird das Borderline-Syndrom festgestellt.
00:12:03: Typisch für diese Persönlichkeitsstörung sind massive Anspannungszustände, denen Christian B mit Alkohol-, Sport- und Selbstverletzung begegnet.
00:12:13: Er schneidet sich sein Handgelenk auf Injiziert sich selbst ein Narkosemittel und verabreicht sich am Frankfurter Hauptbahnhof eine benutzte Heroinspritze.
00:12:23: Mehrfach versucht er, sich das Leben zu nehmen!
00:12:26: Bis zum fünfzehnten September.
00:12:28: zwei tausenddreizehn richten sich seine Aggression jedoch nie gegen eine andere Person.
00:12:34: Ja maßgeblich ist da für uns Strafrechter der Paragraph dreiundsechzig des Strafgesetzbuches.
00:12:38: Da gilt es irgendwie Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus?
00:12:42: Und eine solche Unterbrinkung ist dann möglich wenn der Täter im Zustand der Schuldunfähigkeit oder in dem Zustand erheblich verminderten Schuldfähigkeit gehandelt hat.
00:12:52: Außerdem muss man davon ausgehen, dass es in Folge seines Zustands weitere rechtsmitriege Taten von ihnen zu erwarten sind und dafür die Allgemeinheit gefährliches.
00:13:00: Das sind so die Voraussetzungen nach denen man jemand auch in einem Krankenhaus unterbringen kann.
00:13:05: Werden wir jetzt in diesem Verfahren einen Sachverständigen, der das Gericht beraten hat und noch die Staatsanwaltschaftsberaten hat?
00:13:10: Der hat uns dargelegt, Borderline Systematik genitten hat.
00:13:17: Bei dieser Erkrankung ist es durchaus ausreichend, dass ganz banale oder auch neutrale Reize so hat es damals der Sachverständigen gesagt dazu fühlen das ebenso eine Gewaltexplosion entsteht.
00:13:28: aber und das ist entscheidend trotz diese Erkankungen hat sich gerade nicht herausgestellt durch die Wertung des Sachverständigens, dass der Angeklagte nicht über die nötige Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit hätte verfügt.
00:13:40: Also es bedeutet der Angeklagter, der hat damals planvoll agiert.
00:13:43: Er wusste was er tat.
00:13:44: also der ist an dem Opfer erst vorbeigelaufen.
00:13:46: dann hatte sich überlegt dass er das Opfer angreifen will und ist noch halt zurück gegangen.
00:13:48: Hundert Meter ist dann auf das Opfern zugegangen.
00:13:51: nach der Tat hat er das opfer weggetragen hat überlegt wie kann er weiter vorgehen um die tarte zu verdecken?
00:13:56: also das alles sind anhaltspunkte dafür dass er eben steuerungsfähig war Und dementsprechend hat man damals gesagt Steuerung in Einsichtsfähigkeit war gegeben und das wiederum ist ein Ausschlusskriterium Dafür ihnen einen Krankenhaus anzuweisen.
00:14:09: Seine Straftat belastet der Angeklagten.
00:14:12: Erst nach dem Überfall begeht er weitere Delikte, lässt sich
00:14:16: tätowieren.".
00:14:17: Diesen Körperschmuck wäre ja am liebsten wieder los", sagt ihr dem Gericht.
00:14:22: Er erzählt verschiedenen Leuten das er jemanden schwer verletzt hat – bringt es aber nicht über sich zur Polizei zu gehen!
00:14:30: Also erstens ist es nicht ungewöhnlich dass ein Täter nicht zur Polizei geht und die Tat selbst gestehen.
00:14:34: Das kommt durchaus häufig vor und will ja schließlich verhindern, dass man bestraft wird.
00:14:38: In diesem konkreten Fall darf man nicht vergessen, dass auf dem Täter ein enormer Öffentlichkeits- und Fahndungsdruck gehasht hat.
00:14:45: Also es lief durch alle Zeitungen – das lief im Fernsehen Aktenzeichenixy hat berichtet – überall wurde der Täter mit dieser Tat konfrontiert Und dementsprechend ist es aus meiner Sicht durchaus nahvollziehbar, dass er sich immer wieder fortwährend Gedanken gemacht hat und vielleicht auch das Ausmaß der Sache erst im Laufe der Zeit so richtig verstanden hat und deshalb bei ihm noch die entsprechenden Reflexe eingesetzt haben.
00:15:26: Anklage, Nebenklage und sogar Verteidigung sind sich am Hände ungewohnt einig.
00:15:32: Für alle besteht am Ende der Beweisaufnahme kein Zweifel dass es tatsächlich versuchter Mord war.
00:15:40: In dieser Tatbestand des Mordes, der setzt ja – das ist glaube ich klar – erst nur voraus, dass jemand anderes eigentlich getötet worden sein muss und verlangt gleichzeitig, dass ein sogenanntes Mordmerkmal verwirklicht wurde.
00:15:50: Jetzt hat Tili Gott sei Dank das Obstverheer schwerst verletzt überlegt sodass wir nicht von einem vollendeten Mord ausgehen können sondern nur von einem versuchten Mord damals in Tat Einheit mit gefährlicher Körperverletzung weil ihm diese Handelsstange verwendet wurde und gleichzeitig das ganze Handeln auch wegenensgefährlich.
00:16:04: Deswegen kommen noch zu einer gefährlichen Körperverletzung.
00:16:07: Ich habe dann damals in meinem Plädiolier herausgearbeitet, warum diese Mordmerkmale nach meiner Ansicht erfüllt waren und die Kamera hat sich auch dieser Argumentation angeschlossen.
00:16:14: Ich bin einmal von dem Mord merkmal der Handtücke ausgegangen, eine Handtücke deshalb weil jeder Täter seinen Opfer ohne jede Vorankündigung angegriffen hat.
00:16:23: also das Opfer hat überhaupt nicht damit gerechnet dass es jetzt einem Angriff sich ausgesetzt sieht.
00:16:27: Es gab diesen wuchtigen Schlag mit der Handelstange von hinten.
00:16:31: Für das Opfer kam der Angriff aus den Nichts.
00:16:32: Das war völlig überrascht und dementsprechend heimtürker.
00:16:35: Es gab keine Chance, sich zu verteidigen.
00:16:38: Und dann auf der anderen Seite habe ich auch das Mordmerkmal des niedrigen Bewilligrundes angenommen.
00:16:45: Das nimmt man ihnen dann an wenn die Tatenmotivationen nach allgemeiner sitzlichen Wertung auf tiefster Stufe steht.
00:16:51: Also besonders verwerflich verachtenswert ist.
00:16:53: Das ist so die Übersetzung des niedrigem Bewilligerundes.
00:16:56: Und wir haben hier einen Angeklagten erlebt, der uns keinem nachvollziehbaren Grund irgendwie nennen konnte.
00:17:01: Warum er die Tat begangen hat?
00:17:02: Das konnte ihn gar nicht nachvollzieber schildern.
00:17:05: Das Gericht hat dann im Urteil festgestellt, dass sein Verhalten von Rücksichtslosigkeit und Egozentrie geprägt war.
00:17:11: Letztlich sind wir davon ausgegangen, dass er einfach sich ein beliebiges Opfer ausgesucht hat um seine Flustration jetzt entsprechend zu entladen.
00:17:17: Mit dem entsprechend kam aber auch zu den Mordmerkmaler niedrigen Beweggründe... ...und das habe ich mal empläduiert
00:17:21: dargelegt.".
00:17:22: Es kommt häufig vor, dass die Tatbegehung als solche eingeräumt wird.
00:17:25: Insbesondere dann wenn die Beweislage auch erdrückend ist.
00:17:27: Meistens ist dann aber Ziel der Verteidigung vielleicht statt einem Mord an Todschlagerhaus zu arbeiten.
00:17:32: Das wäre so eine Idee oder das man den Vorsatz versucht wegzuargumentieren, dass man später vielleicht mit einer gefährlichen Körperverletzung kommt.
00:17:40: Also das ist eigentlich meistens Ziel der Verteidigung.
00:17:42: insofern war es für mich überraschend, dass es damals so eine große Einigkeit gegeben hat wie sie sich da tatsächlich dargestellt hat.
00:17:47: Die im Übrigen darin gemündet hat, dass der Angeklagte von sich einen relativ hohen Geldbetrag an das Opfer bezahlt hat als Anrechnung auf aktuell geschmerte Geldansprüche.
00:17:57: Das Urteil lautet schließlich sieben Jahre und sechs Monate Haft wegen des Mordversuchs.
00:18:03: Zusammen mit weiteren Strafen sumiert sich die Strafe auf acht Jahre.
00:18:08: Zudem muss er Zehntausend Euro an sein Opfer zahlen.
00:18:13: Entschuldigt hat er sich bereits vor der Verhandlung schriftlich bei der jungen Frau die er fast getötet hat.
00:18:20: Die Frau sieht sich allerdings nicht in der Lage, diese Entschuldigung anzunehmen – kein Zweifel!
00:18:27: Ohne die DNA-Spur wäre dieser Fall vermutlich nie aufgeklärt
00:18:31: worden.".
00:18:42: Und klar, die DNA-Spur hier war der absolute Schlüssel zum Erfolg.
00:18:45: Ohne die DNA Spur bin ich mir sicher wäre der Fall bis heute nicht aufgeklärt gewesen und insofern sind wir sehr dankbar dass wir diese Technik haben.
00:18:52: Was es an neuen Ermittlungsansätzen gibt weiß sich zum Teil nicht so ganz genau.
00:18:56: Zum anderen Teil wollen wir das vielleicht auch gar nicht offen waren weil wir letztendlich ja unsere Ermittlungen Methoden auch nicht komplett offen legen sondern auch vielleicht den entscheidenden Vorsprung vor dem einen oder anderen Täter haben
00:19:05: wollen.
00:19:12: Recherche, Text und Regie Tania Bruskeguth.
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